Mit Angriffen auf Iran und Venezuela will US-Präsident Donald Trump Chinas Achillesferse treffen: die Energieversorgung. Die Verwerfungen auf den Ölmärkten treffen Peking empfindlich. Doch die Strategie hat einen Haken.
Statt China zu schwächen, treibt Washington die Volksrepublik näher an Russland – und stärkt damit genau jene Machtkonstellation, die für die USA langfristig am gefährlichsten ist.
Eine größere geopolitische Logik
Was auf den ersten Blick wie eine Eskalation regionaler Konflikte aussieht, folgt einer größeren geopolitischen Logik. Die US‑amerikanischen Angriffe auf Venezuela und den Iran richten sich nicht nur gegen ungeliebte Regime in Lateinamerika und im Nahen Osten. Sie sind Teil einer indirekten Strategie gegen den eigentlichen Hauptgegner der Vereinigten Staaten: China.
Dr. Josef Braml ist Politikwissenschaftler und USA-Spezialist mit über 20 Jahren Forschungstätigkeit, der als European Director der Trilateral Commission agiert. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.
Im Zentrum steht dabei ein politisches Instrument, das in Washington zunehmend an Bedeutung gewinnt – Energie. China ist heute der weltweit größte Ölimporteur. Sein Wirtschaftsmodell, seine industrielle Leistungsfähigkeit und nicht zuletzt seine politische Stabilität hängen in hohem Maße von verlässlichen Energielieferungen ab. Genau hier setzt die amerikanische Strategie an.
Chinas Achillesferse liegt auf See
Besonders verwundbar ist China bei seinen maritimen Lieferwegen. Die Volksrepublik importierte 2025 im Durchschnitt rund 11,6 Millionen Barrel Rohöl pro Tag und ist damit der größte Ölimporteur der Welt. Ein erheblicher Teil dieser Mengen stammt aus dem Nahen Osten und muss zwangsläufig die Straße von Hormus passieren – das strategisch wichtigste Nadelöhr der globalen Energieversorgung.
